{"id":50,"date":"2014-02-15T09:10:35","date_gmt":"2014-02-15T09:10:35","guid":{"rendered":"https:\/\/wolfgangbortlik.ch\/?page_id=50"},"modified":"2014-02-15T09:10:35","modified_gmt":"2014-02-15T09:10:35","slug":"rezensionen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wolfgangbortlik.ch\/?page_id=50","title":{"rendered":"Rezensionen"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><strong>\u00dcber &#171;Die drei sch\u00f6nsten Toten von Basel&#187;:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><u>Konfetti-Explosion im Dreil\u00e4ndereck<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong>Der neue Kriminalroman des leidenschaftlichen Grenzg\u00e4ngers Wolfgang Bortlik<\/strong><\/p>\n<p>Karneval, Fasching, Fastnacht \u2013 bald geht es da und dort wieder rund. Die <em>Fasnacht<\/em> in Basel, wo man eine Woche sp\u00e4ter feiert als \u00fcberall sonst, behauptet bei allem Kommerz noch immer ihren alemannisch-heidnischen Kern, vor allem bei ihrer stimmungsvollen Er\u00f6ffnung, dem <em>Morgestraich<\/em> um 4 Uhr fr\u00fch. Dann beginnen, f\u00fcr Abertausende einheimischer und angereister Fans, die drei sch\u00f6nsten Tage des Jahres.<\/p>\n<p>\u201eDie drei sch\u00f6nsten Toten von Basel\u201c ereignen sich just in time, als Kommiss\u00e4r Britzig und sein Team nicht gerade bersten vor polizeilichem Ermittlungsdrang. So ist es auch in Wolfgang Bortliks sechstem Basel-Krimi wiederum Melchior Fischer, der altersmilde Anarchist und Gelegenheitsdetektiv, der aufkl\u00e4rerisch durch das Schlamassel f\u00fchrt, zumal die titelgebenden Leichen nacheinander ins Naherholungsgebiet vor seiner Haust\u00fcr drapiert werden &#8211; im Basler Vorort Riehen, den dank der <em>Fondation Beyeler<\/em> ja die ganze (Kunst-)Welt kennt.<\/p>\n<p>Das erste Opfer ist Waldemar Oertli, ein dubioser Gesch\u00e4ftsmann, der sich auch als \u201eWeltretter\u201c und Gro\u00dfmufti eines identit\u00e4ren Geheimordens hervortat. Er hatte zu Umsturzzwecken Waffen geordert und wurde in der stockfinsteren <em>Morgestraich<\/em>-Nacht vom Spediteur irrt\u00fcmlich \u00fcber den Haufen gefahren &#8211; am \u00dcbergabeort, wo kurz zuvor und quasi auf Wolke sieben Melchior Fischer vorbeigeradelt war. Denn der ist neuerdings verliebt: in seine Lebensabschnittsenkelin Ivy, die er oft und gern auf seine m\u00fcden Leih-Opa-Schultern hebt, und in Antonia, die aparte Dame mit dem Pillbox-Hut, die er unl\u00e4ngst mit bahnbrechendem Erfolg auf ihre Zug-Lekt\u00fcre (die Autobiografie der Punk-Musikerin Viv Albertine) angesprochen hatte und die praktischerweise im nahen Weil am Rhein wohnt.<\/p>\n<p>Bortlik spickt auch sein neues Buch wieder mit sch\u00f6nen schweizerdeutschen Wendungen (eine Fasnachtskapelle <em>tsch\u00e4ttert<\/em>) und platziert als fr\u00fch ausgewanderter M\u00fcnchner zudem ein paar bayrische Kraftausdr\u00fccke (aus dem Mund von Britzigs Vorg\u00e4nger Franz Gs\u00f6llpointner, dem er drei kurze Gastauftritte g\u00f6nnt). Und er f\u00e4hrt erneut viel skurriles Personal auf, das er mit erlesenen Namen und schrulligen Hobbies ausstattet: den wichtigen Zeugen Norbert Rudolf Bohne-Quandt etwa, dessen Initialen die Rumpel-Rockband NRBQ heraufbeschw\u00f6ren. Dieser passionierte Birdwatcher h\u00e4lt sich naturgem\u00e4\u00df gern am idyllischen Entenweiher auf, wo er als H. P. Lovecraft-J\u00fcnger aber auch mit \u201e\u00fcbelriechendem Plasma-Gez\u00fccht\u201c kommuniziert und insgeheim Landebahnen f\u00fcr UFOs projektiert.<\/p>\n<p>Vollends comichaft werden schlie\u00dflich die hartgesottenen Waffenlieferanten gezeichnet: Mikkel Mikkelsen, Nils Nielsen, Knud Knudsen und Ole Olsen arbeiten f\u00fcr die Pariser Vertretung der Transportgewerkschaft JCR (<em>Joint de Culasse Rouge<\/em> = Rote Zylinderkopfdichtung) und haben schon bald ein zweites Opfer auf dem Gewissen: Oertlis Adlatus Henry Kornfeld, der zu und zu gern das omin\u00f6se Paket am Weiher eingesackt und sich dann mit dem Titel \u201eK\u00f6nig der Schweiz\u201c geschm\u00fcckt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Als ehrgeiziger Nerd f\u00fcttert Melchior Fischer, Leichenfunde hin oder her, seine neue Herzensdame mit pikanten Details zum immateriellen Weltkulturerbe der Basler Fasnacht, \u00fcber die Antonia einen Essay f\u00fcr ihr deutsches Intelligenzblatt verfassen soll. Wussten Sie schon, dass der in Basel aufgewachsene K\u00fcnstler Jean Tinguely als Mitglied der \u201eKuttlebutzer\u201c-Clique das ehrw\u00fcrdige Fasnachts-Comit\u00e9 einst mit einer unappetitlichen Konfetti-Explosion verschreckte? Eben!<\/p>\n<p>Als Britzig mit seinem \u201efatalen Hang zu braunen Lederjacken\u201c (die ihm obendrein zu eng sind und auch farblich an Wurstpellen gemahnen) 15 Seiten vor Schluss im Zoorestaurant <em>Elefantenblick<\/em> endlich mal gescheit mit seiner Korporalin Rosolic anbandeln will, f\u00e4llt ihm nur ein fader dienstlicher Witz ein: \u201eWenn es drei Tote w\u00e4ren, k\u00f6nnte man den Fall \u201aDie drei sch\u00f6nsten Toten von Basel\u2018 nennen, an den drei scheenschte D\u00e4\u00e4g gestorben.\u201c Der umtriebige Autor tut ihm sogleich den Gefallen und macht den Spediteur Ole Olsen zum dritten Opfer in seiner Geschichte: j\u00e4mmerlich ertrunken, als er das noch immer herrenlose Waffenpaket aus dem Ententeich bergen und in seinen Besitz bringen wollte.<\/p>\n<p>Im Dreil\u00e4ndereck am Rheinknie wird also h\u00fcbsch nach allen Seiten ausgeteilt, \u00fcber selbstzufriedene Schweizer gel\u00e4stert, deutsche Verbissenheit gegei\u00dfelt und ahnungslosen Franzosen \u00fcbel nachgeredet. Nach 47 K\u00fcrzest-Kapiteln hat man, dem leidenschaftlichen Grenzg\u00e4nger Bortlik sei Dank, einen weltl\u00e4ufigen Regionalkrimi gelesen, ist mit viel Humor und unn\u00fctzem popkulturellen Spezialwissen versorgt worden und dennoch stets in Tuchf\u00fchlung mit dem ganz normalen mitteleurop\u00e4ischen Alltagswahnsinn gewesen.<\/p>\n<p>Andreas Sch\u00e4fler in Junge Welt, 17. April 2025<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hanspeter Eggenberger in krimikitik.com<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Titel seines sechsten in Basel spielenden Krimis \u201eDie drei sch\u00f6nsten Toten von Basel\u201c bezieht sich Wolfgang Bortlik mit sanfter Ironie auf den wichtigsten Anlass in der Stadt am Dreil\u00e4ndereck von Schweiz, Deutschland und Frankreich: \u201eDie drei sch\u00f6nsten Tage\u201c, beziehungsweise \u201edie drei scheenschte D\u00e4\u00e4g\u201c, wie das im lokalen Idiom heisst, ist hier ein Synonym f\u00fcr Fasnacht. Und die wird hier sehr ernsthaft betrieben, ins Anarchische oder Gesetzlose franst der strikt durchorganisierte Anlass h\u00f6chstens am Rand ein wenig aus. Die Fasnacht ist in Bortliks Roman denn auch weder Ursache noch Schauplatz von Verbrechen, sondern liefert nicht viel mehr als ein Hintergrundrauschen zu drei Todesf\u00e4llen w\u00e4hrend den drei sch\u00f6nsten Tagen.<\/p>\n<p>Schauplatz der Verbrechen ist der Entenweiher im Basler Vorort Riehen. Da l\u00e4uft eine Waffenlieferung an einen Rechtsextremisten aus dem Ruder. Eigentlich ist der erste Tote die Folge eines Unfalls in der dunklen Nacht im Wald am Weiher. Der wohlhabende Mann aus Riehen, der seine klandestine Gruppe aufr\u00fcsten wollte, wird vom Lieferanten versehentlich angefahren und dabei t\u00f6dlich verletzt. Der Fall stellt die Basler Polizei beziehungsweise deren Kommiss\u00e4r Norbert Britzig zun\u00e4chst vor R\u00e4tsel. Ebenso mysteri\u00f6s ist, wie zwei weitere Tote, die in den kommenden Tagen beim Entenweiher gefunden werden, mit dem ersten Fall zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Bortlik erz\u00e4hlt die wilde Geschichte, in der neben neuen Rechten auch alte Punks auftreten, mit viel Witz und Ironie. Man begegnet darin auch Figuren aus fr\u00fcheren Romanen, wobei der einstige Hauptprotagonist Melchior Fischer, ein bisschen das Alter Ego des Autors, fast nur eine Nebenrolle spielt. Daneben gibt es weitere schr\u00e4ge und skurrile Figuren. Etwa den \u00e4lteren Herrn, der in Riehen eine Landebahn f\u00fcr Ufos bauen wollte und auf den Namen Norbert Rudolf Bohne-Quandt h\u00f6rt, was das K\u00fcrzel NRBQ ergibt, was Bortlik die M\u00f6glichkeit gibt, der legend\u00e4ren amerikanischen Band mit diesem K\u00fcrzel als Namen die Reverenz zu erweisen. \u00dcberhaupt bestechen die Romane des vielseitig interessierten und sehr belesenen Autors immer auch mit zahlreichen Bez\u00fcgen nicht nur zum aktuellen Zeitgeschehen, sondern auch zu popul\u00e4rer Kultur, wie wir es beispielsweise auch beim irischen Noir-Meister Ken Bruen sch\u00e4tzen. Beil\u00e4ufig kommen etwa Kultbands wie The Slits (feministischer Punk), The Cramps (Psychobilly) und Mayhem (Black Metal) vor. Und nicht nur Bohne-Quandt kennt die phantastischen Horrorromane von H. P. Lovecraft. Einem zweifelhaften Staatsanwalt verpasst Bortlik den Namen des brasilianischen Filmrevoluzzers Glauber Rocha. Die Kumpel des Waffenlieferanten Ole Olsen heissen Mikkel Mikkelsen, Niels Nielsen und Knud Knudsen. Die F\u00fclle von Verweisen und Anspielungen sowie der Sprachwitz sind f\u00fcr das Lesevergn\u00fcgen am Ende wichtiger als der eigentliche Krimi-Plot.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Basler Gleichstand. Kritiken<\/strong><\/p>\n<p><strong>Polit-Krimi und Basler Gesellschaftsstudie mit ironischer Distanz <\/strong><\/p>\n<p>Von <a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/roswitha-frey\">Roswitha Frey, <\/a><a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/archiv\/2022\/11\/17\">Do, 17. November 2022, Badische Zeitung\u00a0<\/a><\/p>\n<p><strong>Der in Riehen lebende Autor Wolfgang Bortlik ver\u00f6ffentlicht seinen f\u00fcnften Roman mit dem Detektiv und Anti-Helden Melchior Fischer in der Hauptrolle. <\/strong><\/p>\n<p>Zwei Teenager, die sich in der Klimaschutz-Bewegung engagieren und einen Banker entf\u00fchren; ein Gr\u00fcnen-Politiker, der ermordet aufgefunden wird: Hoch geht es her im neuen Krimi &#171;Basler Gleichstand&#187;, den Wolfgang Bortlik am Dienstag im Kellertheater der Alten Kanzlei in Riehen vorstellte.<\/p>\n<p>Es ist der f\u00fcnfte Fall f\u00fcr Bortliks Hauptfigur Melchior Fischer. Mit diesem &#171;Detektiv wider Willen&#187; hat der seit 30 Jahren in Basel und Riehen lebende Autor in seinen Basel-Krimis einen Gegenentwurf zu klassischen Ermittlern erfunden. Einen gescheiterten &#171;Kulturarbeiter&#187; und B\u00fcchermenschen, der unfreiwillig in brenzlige Mordf\u00e4lle hineingezogen wird und immer mit dem Velo unterwegs ist. Fischer, so sagte Bortlik in der Literatur-Initiative Arena im Gespr\u00e4ch mit Moderator Valentin Herzog, sei nicht sein Alter Ego, &#171;aber er ist schon ein Teil von mir&#187;.<\/p>\n<p>Der neue Fall w\u00fchlt den geschiedenen Anti-Helden Fischer besonders auf. Denn sein 18-j\u00e4hriger Sohn Tim, der sich als Klima-Aktivist hervortut, ist in die Sache verwickelt. Der Krimi spielt im Sommer 2020. Auch die Corona-Pandemie spielt darin eine Rolle: Der Lockdown, der den Konsumwahn stark ged\u00e4mpft, das Kulturleben lahmgelegt und zu einem gesellschaftlichen Stillstand gef\u00fchrt hat. In dieser trostlosen Zeit muss Fischer den Tod seines Mentors, des &#171;alten Faller&#187;, verkraften, eines reichen Philanthropen, der &#171;das menschliche Antlitz der Basler Bourgeoisie&#187; verk\u00f6rpert.<\/p>\n<p>Bortliks Anspruch ist es, realistische Krimis mit sozialkritischem Touch zu schreiben. In seinem neuen Roman greift er die Proteste der Jugend gegen den Klimawandel sowie die politischen Verwerfungen durch Ultrarechte und Ultralinke auf. Es geht um zwei Mordf\u00e4lle: Zun\u00e4chst wird am Rheinufer, in der N\u00e4he der Mittleren Rheinbr\u00fccke, eine Leiche mit h\u00e4sslicher Wunde in der Bauchgegend gefunden. Es ist der Gr\u00fcnen-Politiker Balthasar Raufuss, prominenter Hoffnungstr\u00e4ger und &#171;gr\u00fcner Hecht im b\u00fcrgerlichen Karpfenteich&#187; mit dubioser Vergangenheit. Raufuss, urspr\u00fcnglich Lehrer, hatte seinen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern empfohlen, an den Aktionen der Klimajugend und bei &#171;Fridays for Future&#187; mitzumachen. Zwei Jugendliche aus der Klima-Bewegung entf\u00fchren den Bankier Martin R\u00fcbsamen, um &#171;ein Exempel zu statuieren&#187;. Sie lassen den Leiter einer alteingesessenen Privatbank wieder frei und legen ihn im Morgengrauen am Eglisee in der N\u00e4he der Trambahn ab. Umso gr\u00f6\u00dfer ist ihr Entsetzen, als R\u00fcbsamen dort erschossen aufgefunden wird. Wer hat ihn auf dem Gewissen?<\/p>\n<p>Kommissar Franz Gs\u00f6llpointner tritt auf den Plan, der Bayer bei der Basler Kriminalpolizei, den Autor Bortlik gern im bayerischen Dialekt fluchen l\u00e4sst. Als ihn die Mordf\u00e4lle nach Basel zur\u00fcckrufen, ist der kernige Gs\u00f6llpointner dem 1. August-Feuerwerk gerade per Wohnmobil mit Frau und Hund ins badische Badenweiler entflohen. Das tun nach Bortliks Beobachtung tats\u00e4chlich viele Schweizer Hundebesitzer. &#171;Die Schaupl\u00e4tze m\u00fcssen stimmen, die Figuren sind fiktiv&#187;, erz\u00e4hlt Bortlik. Mit ironischer Distanz schildert er in dieser Mischung aus Polit-Krimi und Basler Gesellschaftsstudie, wie der Kommissar und sein &#171;Spezi&#187; Melchior Fischer, der in die Ermittlungen hineinschlittert, den \u00dcbelt\u00e4tern auf die Spur kommen.<\/p>\n<p>Schwarz-Wei\u00df-Malerei vermeidet Bortlik: &#171;Ein Schriftsteller muss seine Figuren m\u00f6gen, auch die B\u00f6sewichte&#187;, sagt er. Was wie ein Polit-Krimi mit sozialkritischem Plot beginnt, f\u00fchrt zunehmend in menschliche Abgr\u00fcnde. Auch eine Internationale Vergeltungsagentur, ein fr\u00fcheres Kommuniqu\u00e9 der RAF und seltsame Sprayereien, spielen eine Rolle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tausend tolle Teufel tanzen im Treibsand Tango<\/strong><\/p>\n<p><em>(hpe)<\/em>\u00a0Es war ein Zufallstreffer f\u00fcr die beiden rebellischen Gymnasiasten. Sp\u00e4t in der Nacht zum 1. August, dem Schweizer Nationalfeiertag, stiessen sie auf einen Betrunkenen, der sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Sie erkannten ihn als Chef einer Basler Privatbank. Der kam vom traditionellen Nationalfeiertagsbes\u00e4ufnis mit seinen Verbindungskumpeln. Kurz entschlossen packten sie ihn und verfrachteten ihn ihren \u00dcbungskeller. Mit dieser Entf\u00fchrung w\u00fcrden sie die Strafverfahren gegen Klimajugendliche, die Bankeing\u00e4nge blockiert hatten, beenden, dachten sie in ihrem \u00dcbermut.<\/p>\n<p>So beginnt der neue Kriminalroman des (in M\u00fcnchen geborenen) Schweizer Autors\u00a0<strong>Wolfgang Bortlik<\/strong>. Der Titel\u00a0<strong>Basler Gleichstand<\/strong>\u00a0spielt auf das t\u00f6dliche Unentschieden an, zu dem sich der etwas forcierte Bubenstreich ausw\u00e4chst. Der erste Tote, ein Gr\u00fcner, der die Klimajugend unterst\u00fctzte, wird erschossen am Rhein gefunden. Bei den beiden Entf\u00fchrern weicht die Euphorie rasch wachsendem Muffensausen. Sie deponieren ihr Opfer weitgehend unversehrt im Gr\u00fcnen. Doch als er gefunden wird, ist er tot. Erschossen. \u00bb1:1\u00ab ist bald auf W\u00e4nde gesprayt zu lesen. \u00bbEs bedeutete m\u00f6glicherweise tats\u00e4chlich, dass einer der Linken und einer der Rechten tot war. Ein Klimasch\u00fctzer hin\u00fcber, ein Klimas\u00fcnder ebenso. Unentschieden.\u00ab<\/p>\n<p>Nicht nur die Aktionen der Klimajugend, sondern auch die Corona-Lockdown-Nachwehen sorgen f\u00fcr einen zeitgem\u00e4\u00dfsen Background der Geschichte, mit der sich Kriminalkommiss\u00e4r Gs\u00f6llpointner und sein Spezi Melchior Fischer herumschlagen. Diese bietet einen ordentlichen Whodunit-Plot, der die eine und andere unerwartete Wendung nimmt. Doch es ist nicht der eigentliche Fall um die beiden Leichen, der den Reiz dieses Romans ausmacht. Es ist zum einen der lustvolle Umgang mit der Sprache, der wesentlich zum Lesevergn\u00fcgen beitr\u00e4gt. Da wird an Gymnasiastenpartys \u00bballerhand verhandelt, verbandelt und auch verschandelt\u00ab. Und in der 1.-August-Nacht w\u00fcrde es \u00bbfiepen, pfeifen, krawettern, krachen, knallen und satanen, als ob tausend tolle Teufel Tango im Treibsand tanzten\u00ab. Zum anderen sind es meist beil\u00e4ufige Bez\u00fcge zu Politik und Popkultur. Der Autor ist belesen, historisch bewandert, kennt sich in Musik und Film auch abseits des Mainstreams aus. Und er teilt gerne Seitenhiebe aus. Etwa wenn Fischer einer Schmei\u00dffliege mit einem Schweizer Roman zu Leibe r\u00fccken will: \u00bbWobei diese Seelenerg\u00fcsse bei knappen 148 Seiten ja immer zwischen dicke Umschlagpappe geklebt waren und daher zu wenig biegsam und flexibel waren f\u00fcr die Fliegenjagd. Zu nichts konnte man das Zeug gebrauchen.\u00ab<\/p>\n<p>Aus dem Internet-Feuilleton CULTurMAG, Oktober 2022<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Allzumenschliches. Friedrich Nietzsche ermittelt. Kritiken<\/strong><\/p>\n<p>Gerade mal 24 war Friedrich Nietzsche, der sp\u00e4ter als Philosoph ber\u00fchmt gewordene klassische Philologe aus Deutschland, als er an der Universit\u00e4t Basel Professor wurde. Es ist eine wilde Zeit in der Stadt am Rhein: Vor ein paar Monaten gab es den ersten Streik, und jetzt tagt die von Karl Marx mitbegr\u00fcndete Internationale Arbeiterassoziation im Caf\u00e9 National. Der bekannte russische Anarchist Michail Bakunin ist angereist, um die Abschaffung des Erbrechts zu propagieren. Das gutb\u00fcrgerliche Basel ist beunruhigt.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund hat Wolfgang Bortlik, der schon mehrere in der Jetztzeit angesiedelte Basler Krimis ver\u00f6ffentlicht\u00a0hat, seine neue \u00abCriminalgeschichte\u00bb angelegt. Schon der Titel \u00abAllzumenschliches\u00bb verweist auf Nietzsche.<\/p>\n<p>\u00dcber eine Woche im September 1869 erstreckt sich die in 39 \u00abCapitel\u00bb gegliederte Geschichte. Ein Toter am Rheinufer, offensichtlich gewaltsam get\u00f6tet, steht im Mittelpunkt. Es ist ein Geheimpolizist, der im Auftrag von B\u00fcrgermeister Carl Felix Burckhardt den Arbeiterkongress ausspioniert\u00a0hat. F\u00fcr den Polizeihauptmann Weiss ist das \u00abein blutigbl\u00f6des Durcheinander\u00bb, und er hat keine Ahnung, wie er den T\u00e4ter ermitteln k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ein Basler Grossb\u00fcrger will die Tat einem jungen Arbeiter anh\u00e4ngen, mit dem seine Tochter angebandelt hat. Doch deren Freundin bittet ihren Freund Nietzsche, mit dem sie Klavier spielt, um Hilfe.\u00a0Auch dieser hat von Forensik keine Ahnung, stellt aber fest: \u00abEs ging hier um Logik. Es war ein philologisches Problem, wie ein \u00dcbersetzen aus den alten Sprachen. Es gab F\u00e4hrten und Spuren, aber nur eine f\u00fchrte zum Ziel.\u00bb<\/p>\n<p>Der Kriminalfall und seine L\u00f6sung beanspruchen\u00a0letztlich nur einen kleinen Teil des Romans. Denn daneben widmet sich Bortlik gerne allerlei historischen Abschweifungen. Der Autor kennt sich nicht nur mit Nietzsche aus, sondern vor allem auch mit den alten Anarchisten. So erf\u00e4hrt man vom Kongresskonflikt zwischen den Marx-Anh\u00e4ngern aus Deutschland, die den Staat \u00fcbernehmen wollten, und den Bakunin-Freunden aus der Westschweiz, die den Staat abschaffen wollten,\u00a0aber am\u00fcsiert sich auch \u00fcber Anekdoten aus dem Basel jener Zeit. \u00dcber Familien wie die\u00a0Burckhardts oder Sarasins, die in der Stadt das Sagen hatten (und teils immer noch haben).<\/p>\n<p>Dass man gerne weiterliest, auch wenn historische Fakten den fiktiven Kriminalfall immer wieder zur Nebensache machen, liegt daran, dass Bortlik dabei nicht dr\u00f6ge doziert. Er erz\u00e4hlt mit Charme und Witz, und er w\u00fcrzt die Sprache mit Ausdr\u00fccken aus der Zeit. So bleibt die Lekt\u00fcre unterhaltsam, und dies nicht nur f\u00fcr Basler.<\/p>\n<p>Hanspeter Eggenberger\u00a0\u00a0 (tagesanzeiger.ch, Crime Mag)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>REZENSIONEN zu &#171;Uferschnee&#187;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Koks aus der IKEA-Tasche<\/strong><\/p>\n<p>Der zur Zeit in Riehen lebende deutsche Autor Wolfgang Bortlik greift in seinem vierten Kriminalroman &#171;Uferschnee&#187; mit Kommissar Gs\u00f6llpointer und dem Amateurdetektiv Fischer ein abgr\u00fcndiges Thema in der Schweiz auf. Geld, Prestige und Macht prallen in &#171;Uferschnee&#187; aufeinander. Neben dem Todesfall stehen die Familien- und Freundschaftsbande der beiden Ermittler im Mittelpunkt. Und nicht nur Basel wird ausgiebig erkundet, sondern auch die Vergangenheit von Melchior Fischer, der aufgrund von Wolfgang Bortliks Biographie sein Alter Ego sein k\u00f6nnte. Mit Punk- und Rock\u2019n\u2019 Roll- Zitaten verortet Bortlik das Gem\u00fct seiner Ermittler in den wilden 70ern, gespickt mit Kulturbetriebskritik. Aus dem umgangssprachlich formulierten Kriminalroman stechen die detailreich beschriebenen, aber doch stereotypen Figuren heraus. Mit trockenen Humor l\u00f6sen die beiden gem\u00fctlichen Ermittler den Fall, ohne die Droge Koks zu verurteilen, und zeigen dabei die Machenschaften der Gesellschaft auf. Ein solider Krimi, der sich gut als Reiselekt\u00fcre eignet, vor allem wenn man nicht nur Spannung, sondern auch Unterhaltung sucht.<\/p>\n<p>Alexandra Riffel, Badische Zeitung, 1.3.2019<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Launige Polit-Satire im Krimi-Mantel<\/strong><\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Bortliks Blick auf Basel, den er seinem betulichen, aber geistreichen Antihelden Fischer auferlegt, ist der eines bissigen, aber nicht b\u00f6sartigen Ironikers. Die Sprache ist leichtf\u00fcssig und durchsetzt mit einem originellen, aber \u2013 mit wenigen Ausnahmen \u2013 nicht aufdringlichen Humor. Und sie zeugt von der Begabung f\u00fcr wunderbare Sprachbilder in der Art von: \u201eDraussen stand eine graue Herbstnacht und lachte ihn aus.\u201c<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Von einer hintersinnigen Beobachtungsgabe zeugt es, wenn er Vertretern des Grossb\u00fcrgertums \u00e4usserlich \u201eeine Form der Mutschk\u00f6pfigkeit\u201c nachsagt. Und auch aktuelle Bez\u00fcge zur Basler Politik finden sich zuhauf in den 250 Seiten. So k\u00e4mpft die Basler Polizei mit einem schlechten Ruf, den sie sich durch eine Dienstwagenaff\u00e4re und F\u00e4lle von Racial Profiling eingehandelt hat. Und vom skrupellosen Kokainh\u00e4ndler ist es bei Bortlik ein kurzer Weg zum Immobilienhai, der kurz vor Inkrafttreten sch\u00e4rferer Mieterschutzbestimmungen noch ein paar dreckige Gesch\u00e4fte erledigen will.<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Als pers\u00f6nlich gef\u00e4rbtes und aktuelles Heimatbuch ist \u201eUferschnee\u201c indes eine lohnenswerte Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p>Dominik Spirgi, BZ Basel, 14.3.2019<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Geistreicher Basler Discountdetektiv<\/strong><\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Der kriminelle Fall ist hier aber gar nicht so wichtig. Er dient Bortlik vor allem dazu, Beobachtungen und Assoziationen zu den Zust\u00e4nden in der Region loszuwerden. Und sich mit trockenem Humor seinen Leidenschaften zu widmen \u2013 etwa f\u00fcr fr\u00fche Punk-Bands, den Literaturbetrieb und f\u00fcr Fussball. Dies l\u00e4sst man sich gerne gefallen, weil Bortlik das so geistreich wie sprachm\u00e4chtig tut. Niemand sonst liefert Stabreime wie \u201ekrachmachende, knackmahlende, kackteure Kaffeemaschine\u201c. Oder analysiert das helvetische TV-Programm so punktgenau: \u201eDer Staatssender strahlte nach wie vor einen h\u00f6lzernen Mix aus Auftritten der hiesigen Streichwurstprominenz, heimatfester Unterhaltung, sensitiven Streichelsendungen und gleichgeschalteter Politinformation aus. Und ab und zu ein Fussballspiel. Zum Gl\u00fcck!\u201c<\/p>\n<p>\u201eUferschnee\u201c mag nicht der nervenzerfetzende spannende Krimi sein, doch mit witzigen Reflexionen und klugen Bemerkungen bietet er weit mehr als nur Lokalkolorit und Lustiges.<\/p>\n<p>Hanspeter Eggenberger, Tages-Anzeiger, 7.3. 2019<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"column\">\n<p>&#171;Blutrhein&#187;<\/p>\n<p><strong>Mord in Basel<\/strong><\/p>\n<p>Die begehbare Plastik &#171;Intervention&#187; von Richard Serra liefert nicht nur Klangerlebnisse, sondern dient auch als Pissoir. Just hier wird der Regierungsrat Burckhardt von hinten mit einem spitzen Gegenstand erstochen, als er jemanden vom Wasserl\u00f6sen abhalten will. Vom T\u00e4ter fehlt jede Spur. Verschiedene Motive kommen infrage.<\/p>\n<p>Bortlik schreibt assoziativ, unbek\u00fcmmert, mit leichter Hand. Ein atemberaubender Thriller ist &#171;Blutrhein&#187; nicht, daf\u00fcr m\u00e4andert der launige Text zu sehr. Ein h\u00f6chst unterhaltsames Buch, in dem kein Stichwort zu Basel fehlt, ist dem Autor aber allemal gelungen.<\/p>\n<p>(Manfred Papst, NZZ am Sonntag, 21. Mai 2017)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der tote Regierungsrat in der Serra-Plastik<\/strong><\/p>\n<p>In Wolfgang Bortliks j\u00fcngstem Krimi &#171;Blutrhein&#187;, erschienen Anfang April, tritt ebenderselbe Melchior Fischer wieder auf, aber was heisst schon auftreten: Melchior bevorzugt die r\u00fcckenschonende Horizontale, wobei er keine Nummer mit seiner Maria (SP) schiebt, sondern einen Hass auf Theater und Kunstschickeria.<\/p>\n<p>In der Serra-Plastik am Theater riecht es stark nach Urin und , schlimmer, nach Arbeit f\u00fcr Melchior. In der Rostskulptur wurde Regierungsrat Burkhard erstochen und weil der zust\u00e4ndige Kommiss\u00e4r es nicht rafft, \u00a0muss ihm Melchior als Halsermittler unter die Arme greifen.<\/p>\n<p>Abgr\u00fcnde tun sich auf.<\/p>\n<p>(Christine Richard, Basler Zeitung, 16. 5. 2017 &amp; BaZ kompakt , 8.6.2017)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein ermordeter Regierungsrat und der faule Hobbydetektiv<\/strong><\/p>\n<p>&#8230; Gs\u00f6llpointner, Kripo-Kommissar bei der Basler Polizei und Fussballkollege von Fischer, wirkt an vielen Stellen hoffnungslos \u00fcberfordert, und trotz \u00dcberstunden und aufgebrauchten Nerven scheint er nichts zur L\u00f6sung des Falls beitragen zu k\u00f6nnen. Er tat mir teilweise ziemlich Leid. Der Riehener Autor Wolfgang Bortlik hat somit authentische, wenngleich sehr aussergew\u00f6hnliche Protagonisten erschaffen. Besonders gefallen hat mir der letzte Abschnitt: Viel Spannung, keine Abschwei- fungen und neue Motive haben die Handlung gut abgeschlossen. So soll ein Krimi sein! Der Handlungsort trug ebenfalls dazu bei, dass mich das Buch oftmals unterhalten konnte. Ich konnte dadurch die Handlung noch besser nachvollziehen, da ich selbst schon an den Mordpl\u00e4tzen stand. Wie oft lese ich ein Buch, welches in Basel spielt?<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"column\">\n<p>Trotzdem hat mich \u00abBlutrhein\u00bb nicht vollst\u00e4ndig \u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Der Einstieg fiel mir nicht leicht, und es dauerte zu lange, bis Spannung aufkam. Die Abschweifungen st\u00f6rten mich pers\u00f6nlich, sie nahmen mir den Spass an gewissen Stellen. Es fehlte eine st\u00e4ndig anhaltende Spannung und verschiedene Verd\u00e4chtige. Ich mag es, wenn ich mir bei einem Krimi Gedanken machen, verschiedene Verd\u00e4chtige und Motive abw\u00e4gen kann und am Ende \u00fcberrascht werde. Letzteres wurde ich allerdings. Die Haupthandlung, besonders die Aufl\u00f6sung, gefiel mir gut. Ich h\u00e4tte nicht damit gerechnet und wurde auf den letzten Seiten regelrecht gefesselt. Von mir eine Empfehlung an alle Krimi-Liebhaber und solche, die gerne ein Buch in bekannten Kulissen lesen m\u00f6chten. Neueinsteigern ins Krimigenre rate ich jedoch ab, \u00abBlutrhein\u00bb zu lesen.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>von Josua Jourdan in der bz basel, 25.4.2017 (Auszug)<\/p>\n<p>Der 14-j\u00e4hrige Sekundarsch\u00fcler aus Muttenz betreibt als passionierter Leser und Rezensent unter josiajourdan.ch\/wordpress den stark beachteten Blog \u00abI love books\u00bb. F\u00fcr die bz bespricht er regelm\u00e4ssig ausgew\u00e4hlte Neuerscheinungen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>bz basel, 31.3. 2017<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mord in der Serra-Plastik<\/strong><\/p>\n<p>&#8230;\u00a0Wenn der verstorbene Regierungsrat \u00abnichts anbrennen liess\u00bb, so l\u00e4sst Wolfgang Bortlik thematisch nichts aus, was mit Basel zu tun. Es folgt die Parkplatzfrage, die alte Stadtg\u00e4rtnerei, der Rocheturm und, selbstverst\u00e4ndlich, der Fussballclub. Eine heisse F\u00e4hrte f\u00fchrt Fischer in die Vergangenheit des Ermordeten, als dieser noch in einer Wohngemeinschaft am St. Johannstor gewohnt hatte. Gs\u00f6llpointer verd\u00e4chtigt unterdessen den Literaten Mendota, den Fischer aus der Literaturszene kennt und wir aus Wolfgang Bortliks letztem Roman.<\/p>\n<p>Dank Fischers neuer Freundin Maria, die ausgerechnet zu den von ihm kritisierten Sozialdemokraten geh\u00f6rt, geht es ihm in dieser Folge besser als in der letzten. Er muss sich weniger seinem eigenen Elend zuwenden und kann mehr \u00fcber Dinge wie die lokale Politik oder das Theater herziehen. Fischers Exkurse sind so geistreich, dass man ihm gerne zuh\u00f6rt, selbst wenn das Grundeinkommen zum x-ten Male debattiert wird. Er w\u00e4re daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Bortlik beherrscht seine Hauptfigur. Der Antiheld bereitet Vergn\u00fcgen. Man schaut sich, wenn man in einer der von ihm als \u00abangesagt\u00bb bezeichneten Kneipe sitzt, hoff- nungsfroh um, ob Fischer vielleicht mit einem anstossen m\u00f6chte. Auf seine Vorliebe f\u00fcrs Liegen zum Beispiel, auf seine scharfe Position zur Papptelleraff\u00e4re, auf seine Liebe zur Stadt Basel, die er, all seiner Kritik zum Trotz, nur schlecht verbergen kann.<\/p>\n<p>Von Iris Meier (Auszug)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><strong>NZZ am Sonntag, Buchbeilage, 28. Juni 2015, Manfred Papst:<\/strong><\/p>\n<p>Auf Wolfgang Bortlik ist Verlass. Der 1952 geborene M\u00fcnchner H\u00fcne, der seit 50 Jahren in der Schweiz lebt, schreibt nicht nur seit deren Anbeginn das w\u00f6chentliche &#171;Sportgedicht&#187; in der &#171;NZZ am Sonntag&#187;; er hat sich auch als Rezensent sowie als Buchautor einen Namen gemacht. Eine besondere Neigung hat der Vater dreier erwachsener Kinder und gef\u00fcrchteter Hobbyfussballer f\u00fcr das Genre des Krimis. Deshalb hat er den Detektiv Melchior Fischer erfunden, einen sympathischen Ungl\u00fccksraben. In dessen zweitem Fall bekommt es dieser Mann mit einer sehr pers\u00f6nlichen Geschichte zu tun: Sein Bruder war in der Anti-AKW-Szene aktiv. Bei einem Unfall ist er ums Leben gekommen. War es bloss ein Unfall? Ging da alles mit rechten Dingen zu? Bortlik versteht sein Handwerk. Geschickt vermischt er seine spannende Erz\u00e4hlung mit Stimmen von Zeugen. Und stets geht es auch um Liebe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u25a0 ARME RITTER: \u00abRASANT, S\u00dcFFIG, UNTERHALTSAM\u00bb<\/p>\n<p>\u00abArme Ritter\u00bb, in der Schweiz als \u00abFotzelschnitten\u00bb bekannt, heisst Wolfgang Bortliks neuer Roman. Drei Mal, in drei L\u00e4ndern und drei Zeiten, f\u00fchren sich Bortliks Helden dieses \u00abperfekte proletarische Mahl\u00bb nach \u00fcberstandenen Abenteuern zu Gem\u00fcte, \u00abein Gericht wie die Revolution, s\u00fcss und s\u00e4ttigend\u00bb, schreibt der Autor. \u00abArme Ritter\u00bb sind auch seine Figuren. Voll hehrer Ideale startet seine Viererkommune Mitte der 70er-Jahre ins Erwachsenenleben. Die drei M\u00e4nner und eine Frau wollen die Welt retten, wenigstens ein bisschen. Daf\u00fcr geeignet scheint ihnen ein Bank\u00fcberfall, die Geldbeute wollen sie sp\u00e4ter in ein revolution\u00e4res Projekt stecken. Doch dann kommt alles anders.<\/p>\n<p>Denn Bortliks Helden stolpern fortw\u00e4hrend \u00fcber ihre eigene Menschlichkeit. Macht und Wohlstand, oder auch nur die eigene Bequemlichkeit, korrumpieren die einen. Ein anderer, die eigentliche Hauptfigur Michael Ziegler, geh\u00f6rt von Natur aus zum Typus harmloser Verlierer. Und die so erotische wie k\u00fchl kalkulierende Gerda kommt trotz vollem K\u00f6rpereinsatz nicht zum Ziel mit diesen Typen.<\/p>\n<p>Bortlik beschreibt diese Stellvertreter seiner Generation mit einer Mischung aus Spott und Z\u00e4rtlichkeit. K\u00f6stlich ist auch, wie er sie als sp\u00e4tere Mittf\u00fcnfziger \u2013 mit<\/p>\n<p>ihren verstaubten Platten, B\u00fcchern und Topfpflanzen \u2013 durch die Augen der n\u00e4chsten Generation betrachtet. Das hat der Autor wahrscheinlich von seinen eigenen Kindern gelernt.<\/p>\n<p>Die Geschichte hat Witz und Zug. Bortlik springt rasant zwischen Zeiten, Orten \u2013 Ba- sel ist auch dabei \u2013 und mehreren Perspektiven hin und her. Immer wieder wird der Leser von einer neuen Wendung \u00fcberrascht, ohne je den Faden zu verlieren \u2013 bis sich am Ende alle Puzzlesteine zusammenf\u00fcgen. Auch die einfache, s\u00fcffige Sprache macht Freude. Wie Fotzelschnitten. (SPE)<\/p>\n<p>Susanna Petrin in &#171;Basellandschaftliche Zeitung&#187;, 15.3.2014<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>38 850 Mark Beute<\/strong><\/p>\n<p>Seit zw\u00f6lf Jahren verfasst Wolfgang Bortlik w\u00f6chentlich ein Sportgedicht f\u00fcr die &#171;NZZ am Sonntag&#187;. Der geb\u00fcrtige M\u00fcnchner, der seit 1965 in der Schweiz lebt, schreibt aber auch Kolumnen, Satiren und Rezensionen. Mit &#171;Arme Ritter&#187; legt er bereits seinen f\u00fcnften Roman vor: eine spannende und mitunter sehr lustige Geschichte, die 1974 mit einem Bankraub beginnt und sich \u00fcber mehrere Jahrzehnte weiterspannt. Vier junge und politisch bewegte Menschen, die in einer Wohngemeinschaft leben, \u00fcberfallen die Kreissparkasse im oberbayrischen Glonn. Sie erbeuten 38 850 Mark. Die wollen sie in den politischen Kampf investieren. Vorerst muss die heisse Ware aber in einem k\u00fchlen Keller versteckt werden. Von dort klaut sie Rademacher, einer der vier, und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Erst im Jahr 2010 kommt es in Paris zu einer Wiederbegegnung der ehemaligen Komplizen.<\/p>\n<p>Wolfgang Bortlik erz\u00e4hlt farbig und mit Sinn f\u00fcrs sprechende Detail, wie sich die Zeiten, der Zeitgeist und die Menschen seit 1974 ver\u00e4ndert haben. Er versteht sich auf schnelle Dialoge und pr\u00e4gnante Schilderungen. Seine Hauptfiguren sind mehr oder weniger liebensw\u00fcrdige Sonderlinge und verkappte Romantiker; nicht zuf\u00e4llig ist Ziegler, einer der jugendlichen R\u00e4uber und sp\u00e4ter Musikproduzent, ein eifriger Leser Alebert Ehrensteins und namentlich von dessen wunderbarer, 1911 mit Illustrationen von Oskar Kokoschka erschienener Erz\u00e4hlung &#171;Tubutsch&#187;.<\/p>\n<p>(<em>Manfred Papst<\/em>, NZZ am Sonntag, 23. M\u00e4rz 2014)<\/p>\n<p><strong>Fotzelschnitten f\u00fcr Weltverbesserer<\/strong><\/p>\n<p>In seinem neuen Roman &#171;Arme Ritter&#187; zeichnet Wolfgang Bortlik erneut ein ironisches Bild seiner Generation, die in den 1970-er Jahren gegen das Establishment rebellierte. Der Autor treibt seine Helden pointenreich durch vier Jahrzehnte Weltverbesserungsgeschichte.<br \/>\nM\u00fcnchen, 1974: Die WG-Kommunarden Ziegler, Rademacher, Schott und Gerda haben genug von den theoretischen Diskussionen in der linksradikalen Szene. Getreu dem leicht abgewandelten Brecht\u2019schen Motto &#171;Was ist schon ein Bank\u00fcberfall gegen die Er\u00f6ffnung einer Bank&#187; \u00fcberfallen sie eine Kreissparkasse in der Provinz.<br \/>\nNach dem Bankraub ist erstmals revolution\u00e4re Geduld gefragt. Rademacher macht Arme Ritter, das perfekte proletarische Mahl: altes Weissbrot in Milch und Ei eingelegt und in Butter gebraten. Das Quartett kommt \u00fcberein, die erbeuteten 38\u2018850 Mark im Keller von Rademachers Grossmutter zu verstecken, bis Gras \u00fcber die Sache gewachsen ist.<br \/>\nDann ist Rademacher weg, und mit ihm die Beute. Zur\u00fcck bleiben drei konsternierte WG-Genossen, die sich kaum mehr auf die Strasse getrauen. Schott s\u00e4uft und schw\u00f6rt Rache. Gerda f\u00e4ngt an zu rauchen und winkt ab, wenn Ziegler sie mit auf Demos nehmen will. Als Gerda ihm auch noch die Liebe aufk\u00fcndigt, packt Ziegler fluchtartig die Koffer und kehrt in die Schweiz zur\u00fcck, deren Enge er zuvor entflohen war.<\/p>\n<p>Mysteri\u00f6se Todesf\u00e4lle<br \/>\nZw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter macht Gerda ihn in Z\u00fcrich ausfindig. Ziegler hat inzwischen ins Musikfach gewechselt &#8211; wie das in den Achtzigerjahren &#171;halt so gang und g\u00e4be war&#187;. Als Produzent verdient er sein Geld mit esoterischen Endlosmelodien. Dabei mixt er manchmal satanische Botschaften in das Wohlf\u00fchlsgedudel. Doch die versteht keiner in den Wellness-Oasen.<br \/>\nGerda aber hat die Suche nach dem alten Verr\u00e4ter Rademacher noch nicht aufgegeben. Erst recht nicht, nachdem WG-Kumpan Schott, der mit Behauen von Steinen eine Karriere als Brachial-K\u00fcnstler machte, bei einem mysteri\u00f6sen Unfall ums Leben gekommen ist.<br \/>\nSo brechen die beiden Verbliebenen auf zur Spurensuche, die ins Tessin f\u00fchrt. Rademacher plus Beute bleiben verschollen. Ziegler hat bald genug und l\u00e4sst Gerda alleine und wutschnaubend zur\u00fcck. Sie bleibt h\u00e4ngen und heuert im Grotto &#171;Mai Morire&#187; an.<br \/>\nZiegler wiederum tritt in einem Anfall von sp\u00e4tem politischen Idealismus den Gr\u00fcnen bei und macht in den Neunzigerjahren auf parlamentarischem Weg mit bei der Weltverbesserung.<\/p>\n<p>Showdown in Paris<br \/>\n2010: Ziegler lebt inzwischen (wie Autor Bortlik) in Basel und ist bald sechzig. Um seine taufrische Beziehung mit Eva, Lehrerin am Humanistischen Gymnasium, auf die Probe zu stellen, fahren die beiden f\u00fcr ein paar Tage nach Paris.<br \/>\nIn der geschichtstr\u00e4chtigen Hauptstadt vieler Revolten wird es dem alten Anarchisten nochmals warm ums Herz. Doch dann \u00fcberschlagen sich die Ereignisse, und es kl\u00e4rt sich auch auf, was Rademacher die letzten 35 Jahre eigentlich so getrieben hat.<br \/>\nDass den alten &#171;Fuzzis&#187; dann zu guter Letzt noch ein grosser Coup gelingt, wirkt arg aufgesetzt, l\u00e4sst doch der Autor seine Protagonisten zuvor oft als ziemliche Loser durch das Leben stolpern. Am\u00fcsant ist das alleweil, vorausgesetzt, man mag Bortliks launige und mitunter derbe Szenen-Prosa.<\/p>\n<p>(<em>Theodora Peter<\/em>, Schweizer Feuilletondienst sfd\/sda, 25.2.2014)<\/p>\n<p><strong>Arme Ritter<\/strong> sind bei uns Fotzelschnitten. Rademacher bereitet dieses &#171;proletarische Mahl&#187; seinen WG-Genossen zu, nachdem sie zu viert eine bayrische Bank ausgeraubt haben. Beute: 38 850 D-Mark. Sp\u00e4ter hau er mit dem Geld ab. Das war 1974. Jahrzehnte sp\u00e4ter l\u00e4uft Rademacher einem damaligen Mitstreiter \u00fcber den Weg. Wolfgang Bortlik, 61, legt eine muntere R\u00e4uberpistole vor, in der es\u00a0 &#8211; f\u00fcr den Autor typisch &#8211; nicht ohne Fussball abgehen kann. Und bei seinem augenzwinkernden Blick auf alternde Alt-68er f\u00e4llt ihm der tr\u00e4fe Satz f\u00fcr alle Berufsjugendlichen ein: &#171;Je l\u00e4nger man jung ist, desto pl\u00f6tzlicher wird man alt.&#187;<\/p>\n<p>(<em>Daniel Arnet<\/em>, Sonntagszeitung, 23. M\u00e4rz 2014)<\/p>\n<p><strong>Arme Ritter:<\/strong> 1974 \u2013 eine Vierergruppe anarchisch bewegter, im Grunde aber jenseits ihrer Phrasen eher unpolitischer Twens raubt im oberbayrischen Glonn die Sparkasse mit Waffengewalt aus. 38&#8217;500 DM sind die Beute. Bevor das Geld aber zum Kampf gegen das &#171;Scheisskapital&#187; verwendet werden kann, nimmt sich einer der vier \u2013 Rademacher \u2013 die Tasche mit dem Geld, verschwindet nach Portugal (Nelkenrevolution), dann mischt er in der Anti-AKW-Bewegung (auch in Basel) mit, lebt f\u00fcnf Jahre in einer aargauischen Landkommune, landet schliesslich im Tessin als Fahrer eines Baugesch\u00e4fts und, nachdem er wegen Trunkenheit entlassen worden ist, in der Hinterhofwohnung eines einstigen Genossen in Belleville\/Paris. Der zweite im Bunde, der riesige Schott, wird K\u00fcnstler, schafft gigantische Steinmonumente und wird, als er eben den Durchbruch zu erzielen hofft, 1986 12 Jahre nach dem \u00dcberfall) in seinem Atelier von einem umst\u00fcrzenden Steinbrocken, an dem er gerade arbeitet, erschlagen. Eine gewisse Mitschuld daran tr\u00e4gt Gerda, die Frau im einstigen R\u00e4uberquartett. Sie ist die politisch entschlossenste Figur, geht sogar wegen des Verdachts auf Unterst\u00fctzung einer terroristischen Gruppe ins Gef\u00e4ngnis. Bleibt dann im Tessin h\u00e4ngen, wird Wirtin in einem Grotto und nimmt 1998 (24 Jahre nach dem \u00dcberfall) die Identit\u00e4t einer Freundin an, die sich das Leben genommen hat. Sie wird Dolmetscherin f\u00fcr linke Organisationen und heiratet schliesslich den dicken, gr\u00fcnen Europaabgeordneten, in dessen Wohnung Rademacher lebt. Der vierte schliesslich, der Schweizer Michael Ziegler, kehrt in die Heimat zur\u00fcck, verdient einiges Geld als Musikproduzent, geht dann aber langsam der Pleite entgegen und versucht, sich (2010 \u2013 36 Jahre nach dem \u00dcberfall)) eine gut situierte Frau (Eva) zu angeln, reist mit ihr nach Paris \u2013 und begegnet dort ausgerechnet Rademacher, den er f\u00fcr den M\u00f6rder Schotts und Gerdas h\u00e4lt. Es kommt zu einer grotesken Pr\u00fcgelei im Foyer eines Pariser Spitals und dann zur Vers\u00f6hnung im Basler Kunstmuseum \u2013 und zu einem letzten Coup auf der Uhren- und Schmuckmesse, der den beiden einen geruhsamen Lebensabend eintragen soll, entweder als gut betuchte Privatiers oder in einem schweizerischen Gef\u00e4ngnis.<br \/>\nWolfgang Bortlik erz\u00e4hlt die Geschichte vom pathetischen Aufbruch der vier Studenten und vom Versickern des revolution\u00e4ren Elans in mehr oder weniger b\u00fcrgerliche Lebensformen in rasantem Tempo und mit souver\u00e4nen Zeit- und Perspektivespr\u00fcngen. Auch dank der ironischen Distanz, die der Autor stets zu seinen Figuren, ihrem Politikverst\u00e4ndnis und ihrem Selbstmitleid wahrt, ist der Roman ein grosses, originelles Lesevergn\u00fcgen.<\/p>\n<p>(<em>Valentin Herzog<\/em>, &#171;Der kluge Panther&#187; Nr. 067, 23.3.2014)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber &#171;Die drei sch\u00f6nsten Toten von Basel&#187;: &nbsp; Konfetti-Explosion im Dreil\u00e4ndereck Der neue Kriminalroman des leidenschaftlichen Grenzg\u00e4ngers Wolfgang Bortlik Karneval, Fasching, Fastnacht \u2013 bald geht es da und dort wieder rund. 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